#4 Ermächtigende Sprache






Unabhängigkeit und ihr Preis


Ermächtigende Sprache! Ein wunderbarer Titel für diese Episode. Oder ist der Begriff Macht für dich negativ besetzt? Macht, die nicht missbraucht wird, ist für mich etwas Schönes. Auch für Frauen. Das englische “Empowerment” klingt da schon positiver in den Ohren der Gesellschaft, mit dem wir uns dann auch gleich wohler fühlen. Warum ist das so? Wenn doch die Selbstermächtigung einen unvergleichlichen Spielraum an Freiheit in einem Leben schaffen kann.



Macht = Freiheit = Unabhängigkeit?



Kommt das hin? Und Unabhängigkeit, also nicht nur das bloße geduldet sein – wenn man schön gefällig ist, ist das dann noch immer eine Bedrohung für autoritäre Personen und Systeme? Ich behaupte JA. Auch 2021. Und ich gehe noch einen Schritt weiter. Es ist die absolute Bedrohung für eine Unterdrückungs-Dynamik, egal ob es sich um Dynamiken zwischen Geschlechtern, Identitäten, Völkern, oder um Dynamiken am Arbeitsplatz, in einer Gruppe oder einer Familie handelt. Bezeichnungen wie Patriarchat oder "Genderwahn" lassen ebenfalls die eine oder andere Augenbraue hochgehen. So manches Gemüt kocht da auch schon mal. Macht heißt nichts anderes als: Die Gesamtheit der Mittel und Kräfte, die jemandem oder einer Sache zur Verfügung stehen. Macht heißt auch Einfluss. Macht ohne Verantwortung birgt nicht nur Ungerechtigkeit, sie kann auch keinen Frieden säen.


Sprache ist für mich eine Macht, ein wesentlicher Einfluss. Mit jedem Wort und jedem Dialog entsteht etwas. Wie nahe ich allerdings etwas ausgesprochenes an mich heran lasse, ist meine Verantwortung. Und um genau dieser Verantwortung nachkommen zu können, brauche ich einen gesund entwickelten Erwachsenenanteil, der mir ermöglicht, meine Gefühle, meine Bedürfnisse und meine Reaktionen einordnen zu können und mich abzugrenzen.



Nicht immer ist es notwendig, sich Distanz zum Absender zu verschaffen,

manchmal reicht auch die ausgesprochene Distanz zu den Worten.



In der letzten Episode, habe ich Dir gratuliert, falls Du Dir erlaubst Grenzen zu haben. Das mag für viele Menschen eine eigenartige Vorstellung sein. Schön, wenn Dir das fremd ist. Es gibt jedoch tatsächlich sehr viele Menschen, die Erfahrungen gemacht haben, wo das Aufzeigen von Grenzen, zu Ausgrenzung, Isolation, Gewalt oder Beziehungsabbruch zu wichtigen Bezugspersonen – im Leben oder in der Kindheit geführt haben. Für diese Menschen – auch für mich, war es ziemlich viel Lebensarbeit, die Grenzen erst einmal wieder wahrnehmen zu lernen, meinen Gefühlen Glauben zu schenken und dann auch noch für eine Grenze einzustehen. Natürlich erstmal vorwiegend bei Menschen, die aber dann doch lieber die bisherige Dynamik behalten möchten. Hier bedankt sich echt niemand dafür, dass man gerade so Verantwortungsvoll handelt und seinen gesunden Erwachsenen nachreifen lässt.


Und die nächste große Aufgabe ist damit schon aufbereitet: Daran zu arbeiten, sich nicht für jede Situation, für jedes Gespräch, für jede Entwicklung in einer Beziehung, für jedes Gefühl und für jede Grenze, schuldiger – als Eva im Paradies – zu fühlen. Stattdessen heißt es zu trauern, um all die erlebte Schuld, vermutlich über ein Schuldkonstrukt, dass dir vererbt oder umgehängt wurde und um all die Verletzungen deiner Vergangenheit. Dann wiegen die Worte der Gegenwart auf einmal so viel leichter, auch in schwierigen Diskussionen.




Ohn(e)Macht


Hast du gewusst, dass die Folgegefühle von Ohnmacht Schuld oder Ärger sind? Schuld bei den Menschen die sich eher zu emotionaler Instabilität hin neigen und Ärger bei Menschen, die sich mehr im narzisstischen Fahrwasser bewegen. Das ist meine Erfahrung. Der Ursprung ist