#3 Gefühle verstehen

mit deren Funktion: der Orientierung





Einteilung


Heute möchte ich einen groben Umriss der Gefühle zeichnen, mit der ein Mensch zu tun haben kann. Gut zu tun. Als Ausgangspunkt für das Feine, das noch kommen mag.


Es gibt zwei Gruppen von Gefühlen: Angenehme und unangenehme Gefühle. Nein, nicht positive und negative Gefühle. Angenehme und unangenehme, um das Ganze wertfrei auszudrücken. Das ist mir wichtig, weil sonst der Sinn der unangenehmen Gefühle und die Bedeutung der Orientierung – mit der Bewertung “negativ” – verloren geht.


Ich lehne mich gerne an die Einteilung der dialektischen Verhaltenstherapie an. Hier spricht man von Liebe, Lust & Begehren, Freude, Stolz und Geborgenheit. Die Funktion dieser Gefühle ist, uns als Menschen und unser Verhalten auf ein bestimmtes Ziel hin, zu orientieren. Auch wenn es mit den Jahren vorkommen mag, dass wir uns bei angenehmen Gefühlen, in der Folge, gar nicht mehr so toll fühlen – weil vielleicht Schuld oder Scham aufkommt, ist die Funktion ursprünglich die, einen angenehmen Zustand zu erreichen und zu wiederholen.





Unangenehme Gefühle haben einen ausgeklügelten Zweck!

Bitte lass Dir das auf der Zunge zergehen.





Sie dienen dazu, ein Verhalten zu entwickeln, um für uns – schädigende und krankmachende Umstände zu verlassen, zu meiden oder sie bewältigen zu können. Die ganze Latte an unangenehmen Gefühlen, wie Ärger & Wut, Trauer, Ekel, Angst, Scham & Schuld, Neid & Eifersucht, Verachtung, Ohnmacht und Einsamkeit haben also die konkrete Funktion, mich zu schützen! Klingt das nicht eigenartig, wenn sie doch so viel Leid verursachen können? Nicht, wenn ich die Orientierung wieder mit ins Boot hole! Die Funktion ist also nicht so leicht zu begreifen und doch birgt sie ein unbeschreibliches Geschenk. Das Geschenk ist das Steuerrad in unserem eigenen Dampfer! Wir können tatsächlich den Kurs auf unsere Bedürfnisse NEHMEN.




Warum Affirmationen keine nachhaltige Veränderung schaffen


Weißt Du, warum es Bewertungen so in sich haben und sie der absolute NO GO in jeder Psychotherapie sind? In meinen Beziehungen zu anderen Menschen verzichte ich schon sehr, sehr lange auf Bewertungen. Ziemlich bald, als junge Mutter war mir klar, dass Bewertungen einer Beziehung nicht gut tun. Ich bin kein Richter und keine Lehrerin. Bewertungen haben in Familien, unter Freund*innen und generell in Beziehungen nichts zu suchen. Davon bin ich überzeugt. Warum also, fiel es mir so schwer, diese Güte auch bei mir selbst walten zu lassen? Ich hatte 0 Ahnung oder besser gesagt 0 Selbstwert, als ich mich in “The Secret” und den ganzen Affirmations-Kram hinein warf. Und anfangs war ich total von den Socken.


Ich fühlte mich Handlungsfähig und es stellten sich tatsächlich – unsagbare Dinge in meinem Leben ein. Ich begann auch eigene Affirmationen zu schreiben, um meine Gedanken sofort umschalten zu können, wenn eine oder mehrere meiner Ängste in meinem Kopf rotierten. Doch nö, Affirmationen funktionieren nicht nachhaltig mit Fake-Gefühlen! Das war also nur ein nettes Zwischenspiel, waren ja noch immer alle Glaubenssätze und Bewertungen für mein Selbstbild – fest verdrahtet in mir drin.


Meine Glaubenssätze sind die Einstellungen aus meiner Kindheit, die ich in tiefgreifenden, demütigenden Situationen – entweder von anderen Personen übernommen habe, oder selbst als Bewältigungs-Strategie entwickelt habe, um weiter in diesen Situationen leben zu können. Das sind keine Eigenheiten von mir persönlich. Das ist nichts anderes – als menschlich. “Ich bin schlecht.” oder “Ich habe es verdient.” waren so in meinem Hirn abgespeichert, dass auch keine Affirmation der Welt, auch nicht mit aller Inbrunst ausgeführt, darüber hinweg half.