#10 Das 2x2 der Schuld



Gratuliere! Du wagst Dich gerade in ein Thema vor, das sehr schwer wiegen kann. Warum ich Dir dazu gratuliere? Weil Du hier mit der Schwere auch den Schlüssel zum Umgang mit diesem Gefühl bekommst. Ich freue mich, dass wir gerade miteinander verbunden sind.


Schuld hat sich vielschichtig und tiefgreifend in der menschlichen Spezies eingenistet. Heute starte ich mit einem theoretischen Teil, auf den zwei Übungs-Teile zu Realschuld und Fremdschuld folgen werden.


Hast Du Dich schon mal mit Schuld auseinandergesetzt, abgesehen vom nagenden Gefühl, das einen regelrecht verzehren kann? Oder der Schuld, die Du anderen Menschen zuschreibst? Hier nochmal zur Erklärung, damit Du Dich orientieren kannst. In diesem Blog/Podcast spreche ich in erster Linie die Menschen an, die eher sich selbst als anderen die Schuld geben. Auf der Skala von emotional-instabilen Persönlichkeitsanteilen bis zu narzisstischen – also eher im emotional instabilen Feld angesiedelt. Diese Wörter finde ich nicht wirklich passend, um einen Menschen zu beschreiben und seinen Umgang mit Emotionen. Ich habe sie trotzdem gewählt, weil sie als fachliche Ausdrücke verbreitet sind. Sie spiegeln nicht mein Mitgefühl für beide Persönlichkeitstypen und alle dazwischen wieder. Die negativen Assoziationen sind damit ausdrücklich nicht mitgemeint.


Ich finde ja, dass beide Typen aus derselben Ecke kommen und nur unterschiedliche Strategien beim Heranwachsen gebildet haben – angepasst an ihr Umfeld und dessen Dynamik, um mit Verletzungen leben zu können. Und, dass es kein Damoklesschwert ist.




Der Umgang mit Gefühlen ist veränderbar. Echt.

Auch bei Menschen mit emotional-instabilen

oder narzisstischen Anteilen.




Sogar die eine oder der andere erfahrene Therapeut*in mag bei dieser Herausforderung die Hände über dem Kopf zusammen schlagen. Gott sei Dank gibt es auch andere, die sich genau diesen Menschen zuwenden und die Chance, auf eine gesunde Beziehungs-Erfahrung, geben.


Jetzt bin ich wieder abgedriftet* sowas. Das kann ich gut! Dabei wollte ich nur kurz klarstellen, dass ich aus der Erfahrung der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung heraus, eher Menschen mit solchen Herausforderungen anspreche. Und weil wir schon beim Thema Schuld sind.




Genau die Schuldkomponente, die Einordnung der Gesellschaft

in emotional-instabil ist gleich Opfer und narzisstisch

ist gleich Täter finde ich so amüsant,

weil komplett bollox!




Erstere Personen empfinden sich selbst oft schlimmer als jeden Täter, sonst hätten sie ja nicht die Verletzungen verdient. Und Zweitere empfinden sich per se als Opfer, weil ja immer die anderen Schuld sind. Also genau umgekehrt im Schuldempfinden. Das macht auch die ganze Geschichte mit dem Vergeben so bunt. Manche können nur zu mehr Lebensqualität kommen, wenn Sie sich selbst vergeben und ein eigenständiges, erwachsenes Ich stärken. Und andere nur dann, wenn Sie anderen vergeben und ebenfalls ein unverstricktes, erwachsenes Ich ausbilden. OK. Bei der emotional-instabilen Variante gibt es ja auch noch das Ober-Monster* in der gesellschaftlichen Wahrnehmung. Der/die Borderliner*in. Mich. Wenn Du mich kennst oder hier kennen lernst, weißt Du, dass das meiner ganzen Person natürlich nicht gerecht wird, und surprise, natürlich auch keiner anderen!