#8 Resonanz trotz Trauer

über die Chance des Gefundenwerdens







Um das große Feld der Trauer erfassen zu können, teile ich die Trauer gern ein. In zwei Trauerfelder. Das erste ist für mich die klassische Trauer, die immer dann auftritt, wenn ich einen Verlust erlitten habe. Von Vorstellungen, Träumen, Beziehungen – also etwas konkret Fassbares einer unmittelbaren Situation. Hier lohnt es sich für mich, mich zurück zu nehmen, zu reflektieren und dann wiederum mein Erleben auszudrücken, um eine Form der Resonanz spüren zu können. Eine Art der Verbundenheit.


Das zweite Feld des Gefühls Trauer ist für mich die unfassbare Trauer. Das fahle Gefühl der Sinnlosigkeit, die Weinerlichkeit, die Mutlosigkeit, die chronische Erschöpfung, die schleppende Überwindung für simple Dinge. Nichts ist anregend, alles wirkt abgestorben.

Diese Art der Trauer kann auch in der klassischen Trauer auftreten. Der Unterschied ist hier, dass die Trauer nicht nachvollziehbar scheint. Auch andere Gefühle, wie Einsamkeit können Trauer auslösen. Situationen in Zeitung, Film oder im Umfeld, die unterdrückte Trauer aus der eigene Geschichte anstupsen, kann Trauer auslösen.


Ich möchte Dir sagen, dass Trauer in jedem Fall ihre Berechtigung hat. Auch wenn es auf den ersten Blick, auf den zweiten Blick und auf den dritten Blick nicht nachvollziehbar erscheint.




Du bist nicht faul, träge und unfähig

in manchen Momenten oder Phasen.

Du trauerst.




Und auch wenn Du den Grund nicht erahnen kannst, weil Du den so gut verbuddelt hast, in Deinem Unterbewusstsein. Weil Du vielleicht gar keine Erinnerung daran hast, an Begebenheiten, die traumatisch waren. Das ist bei mir lange so gewesen. Ich habe mich selbst wirklich nicht verstanden. Es gab für mich ja viele offensichtliche Erlebnisse, die Trauer rechtfertigen. Trotzdem schien meine Trauer sich nicht nur auf diese zu beschränken.

Die Schlussfolgerung, dass ich eben so bin, war trotzdem nicht zutreffend. Ich – bin nicht das Gefühl. Ich – habe ein Gefühl. Daran muss ich mich echt oft erinnern, wenn ich zu versinken drohe, weil die Trauer vielleicht schon mehrere Wochen dominiert.




Nichts bleibt gleich.

Alles verändert sich.

Auch die Trauer.




In einem vorherigen Beitrag habe ich bereits davon gesprochen, dass Trauer die Ablösung von einzelnen Neuronen im Gehirn erst möglich macht und sie die Funktion hat, für Neues Platz zu schaffen. Wenn ich es also schaffe der Trauer Platz einzuräumen, schafft sie mir tatsächlich den freien Platz für Neues in meinem Leben. Für neue Erfahrungen und neue Beziehungen.


Was hat nun die Trauer mit Resonanz zu tun? Ganz einfach. Resonanz macht Trauer erträglicher. Sie verhindert ein Steckenbleiben darin. Wenn Du dich erstmal fragst, was mit Resonanz genau gemeint ist, lass mich Dir kurz den Resonanz-Begriff, den auch Hartmut Rosa verwendet, schildern. Er beschreibt Resonanz nicht nur als den Widerhall von zwei schwingungsfähigen Körpern, sondern als das Verbundensein mit der Welt. Durch das in Beziehung Sein, das Sich-berühren-Lassen, durch die Überwindung der Entfremdung. Ich finde ja, alleine, das Sich-selbst-Ausdrücken ermöglicht bereits Resonanz – eine Form der Verbunde