#7 Die PEINlichkeit transformieren





Scham als soziale Angst und Angst vor Sichtbarkeit schaffen einen tiefen Zwiespalt in mir. Dabei haben beide Gefühle das gleiche Ziel. Einsamkeit zu verhindern. Im letzten Beitrag ging es bereits darum, wie ich mit der Einsamkeit einen guten Umgang pflegen kann. Heute möchte ich mit Dir teilen, wie sich eine der quälendsten Gefühle transformieren lässt.



Alles, was es über Scham zu lernen gibt, hat mir nicht geholfen. Es hat mich eher verzweifelter gemacht, ohnmächtiger. Erst mit einer abgewandelten Übung aus dem Achtsamen Selbstmitgefühl hat mich eine "perfekte" Therapeutin den Schlüssel zu dieser Misere entdecken lassen. In dieser Übung konnte ich dem Kern meiner Angst, meinem erschütterndsten Glaubenssatz aus meiner Kindheit, in die Augen sehen; ihn dort einordnen, wo er hingehört. Zu einem Bindungs-Trauma. Zu noch einem Bindungs-Trauma, zu einer toxischen Umgebung mit Übergriffen und Gewalt, Vernichtungsbereitschaft einer Bezugsperson, zu Manipulation und Instrumentalisierung in den ersten Lebensjahren meiner Kindheit, die mir stets als Bullerbü-Kindheit ausgemalt und vorgehalten wurde. So gesehen würde mein Glaubenssatz Sinn machen. Aber nicht "in echt", wie wir als Kinder sagten. Weil diese Unterscheidung machen zu können, ist überlebenswichtig. Fake oder real – Diese Orientierung schafft Sicherheit. Und erst mit diesem Instrument ausgestattet, habe ich begonnen zu mir zurück zu finden. (Die zeitgleiche Schematherapie mit der Stühlearbeit war dabei auch wesentlich. Zur vertiefenden Beleuchtung der automatischen inneren Vorgänge, Persönlichkeitsanteile und die Einordnung meiner Vergangenheit aus einer gesunden Erwachsenen-Perspektive. Meine Erfahrung in dieser Therapiemethode möchte ich Dir gerne in einem eigenen Beitrag vorstellen.) In dieser Zeit habe ich begonnen, meine Wahrnehmung nicht immer in Frage zu stellen. Meine Gefühle und Bedürfnisse nicht abzuwerten, zu verdrehen, als Waffe gegen mich zu verwenden oder zu ignorieren. Meine Gedanken und Geschehnisse nicht als Beweis, für meinen Glaubenssatz oder deren gefühlsmäßige Auswüchse, zu fürchten. Und ich habe mich tatsächlich mit diesem, wahrhaft – dem Schönheitsideal unserer Zeit übertreffenden – Exemplar einer Therapeutin verbunden gefühlt. Mich würdig dafür erachtet, mich mit dieser schönen, klugen, erfolgreichen, echten und strahlenden Seele von einer Frau, zu verbinden. A turning point. Diese Übung (nochmals abgewandelt) trägt mich seither in so mancher Stunde.



Mein Glaubenssatz war: "Ich bin der Teufel."

Und ich schäme mich dafür.



In dieser Podcast-Folge verzichte ich auf theoretische Abhandlungen und gehe gleich mit Dir in die Übung. Wir begegnen uns selbst dabei mit Mitgefühl und Akzeptanz. Für das, was wir wirklich fühlen. Für das, was gerade ist. Damit wir immer mehr und mehr der Mensch werden können, der wir wirklich sind. Und andere uns genau als solchen AN-ERKENNEN können. Echt – ist ok. Echt – ist heilsam. Echt – macht frei und gesund.