#6 Einsamkeit

als Gegenteil von Liebe








Mittlerweile kann ich auch in medizinischen Büchern lesen, wie sich Einsamkeit auf die Gesundheit auswirkt. Wie sie auf bestehende Erkrankungen nochmal eine Portion Krankheit drauflegt, wie sie psychische Erkrankungen begünstigt und die Lebenserwartung sinken lässt.

Das klingt dann für mich so, als ob ich Einsamkeit um jeden Preis vermeiden sollte. Und das hilft mir NICHT. Genau dafür – für das Vermeiden von Einsamkeit, habe ich in der Vergangenheit einen viel zu hohen Preis gezahlt. Den Preis, dass man alles mit sich machen lässt, Gefahren falsch einzuschätzen und den Preis meiner Gesundheit.



Einsamkeit ist also schädlich für die Gesundheit, lese ich in Magazinen und Büchern. Da sträubt sich etwas in mir, denn ich weiß, jedes einzelne Gefühl hat einen Zweck – eine Aufgabe. Die Aufgabe uns Menschen auf Bedürfnisse aufmerksam zu machen, die für Wohlbefinden, Gesundheit und Lebensqualität sorgen.



Der Weg zu Gesundheit kann nicht

die komplette Vermeidung dieses Gefühls sein.



Ich behaupte, der Weg dorthin liegt im Spüren, Annehmen und Aussöhnen damit. Erst dann, kann dieses Gefühl seine Arbeit tun und uns informieren, dass wir das Bedürfnis nach Nähe, Zugehörigkeit, Kontakt oder nach einem warmen Nest wirklich – zu stillen versuchen können. Wenn das Spüren, Annehmen und Aussöhnen gelungen ist, tritt es nicht mehr als sekundäres Gefühl in bekannten Situationen auf oder ich kann es leicht enttarnen und dorthin rücken, wo es hingehört. In meine Vergangenheit. Im letzten Beitrag habe ich bereits von primären Gefühlen, also von Gefühlen, die es besonders zu beachten gilt, wenn eine Situation mehrere starke Gefühle auslöst, gesprochen. Das primäre Gefühl ist jenes, das wir zum Beispiel aus unserem Handlungsimpuls herauslesen können. Das Gefühl, das für die konkrete Situation der Gegenwart hilfreich ist, auszudrücken. Ich weiß, ich weiß, das ist recht komplex, zumal es echt nicht einfach ist, die primären und die Folgegefühle auseinander zu dröseln. Wenn Du hier interessiert bist, an einer Technik, mit der ich es lernen durfte, dann schau doch mal im MemberSHIP Programm vorbei.



Hier gibt es Zugang zu vertiefende Episoden, wie der, zum Aufdröseln der primären und sekundären Gefühle auf einer Gefühlslandkarte. Auch meine persönlichen Vorlagen und Tools zum Bestimmen der Bedürfnisse hinter den Gefühlen findest Du dort. Die Grundstruktur dieser Technik habe ich aus der dialektischen Verhaltenstherapie von einem Therapeuten-Team weiterentwickelt, (auf einer Schwerpunkt-Station für Psychosomatik) kennen gelernt. Und die – hilft mir wirklich.



Aber sieh an, wie schnell ich vor der Einsamkeit weiche. Also nochmal zurück an das Eingemachte. An das – neben Trauer, schwierigste und bedrohlichste Gefühl für mich, das es gibt. Dieses Gefühl ist tatsächlich ein starkes Warnsignal, dass Verlassenheit, Sehnsucht und das Gefühl nicht dazu zu gehören einschalten kann. Klassische Auslöser und Interpretationen sind etwa


  • “Ich bin von jemandem, der mir sehr wichtig ist, getrennt und habe keine Möglichkeit, mit ihm oder ihr in Verbindung zu treten.”


  • “Ich bin anders als alle anderen.”