#14 Psycho.. was?

Professionen und Therapieangebot


Der Psychoblabla ist manchmal etwas eigen. Manche werfen mit Fachausdrücken um sich und kennen den Unterschied zwischen Psychologin und Psychotherapeut nicht. Andere reden diagnostisch vor sich hin, als hätten sie Sigmund Freud persönlich gekannt und wieder andere rennen von Facharzt zu Facharzt und kommen partout nicht drauf, dass psychosomatische Beschwerden richtige Beschwerden sind. Ohne CT oder Ultraschall- Bestätigung kann man nicht krank sein? Denkste, it´s real Baby!


Oder leidest Du still an sich abwechselnden Symptomen, mental und körperlich und glaubst, du bist halt eben so? Du hältst nichts aus? Du kannst Deine Leistungsfähigkeit nicht halten? Dann möchte ich Dir was sagen!


Du hältst wahnsinnig viel aus. Du hast in Deiner Vergangenheit mehr zu verdauen gehabt als andere. Vergleichen bringt Dir Stress und Kummer. Dein Körper zeigt Dir, welche Gefühle, Situationen und Geschehnisse Du zu beachten hast und welche Bedürfnisse es zu stillen gilt. Nicht mehr und nicht weniger.


Jetzt haben wir dafür aber keine Anleitung parat um all die Signale einzuordnen, die sich im Leben zeigen. Und schon gar nicht haben wir einen Raum, in dem wir uns schrittweise in unser Erleben und die Verarbeitungsprozesse, die zu unseren Beschwerden führen, kennen zu lernen. Und die Hilfestellung – eine therapeutische Arbeit ist nur was für Gestörte!


Big News – irgendetwas ist bei jeder und jedem gestört. Oder kennst Du irgendeine perfekte Persönlichkeit? Nö. Kennst Du irgendjemand, der gelernt hat, seine Gefühle liebevoll anzunehmen und die Bedürfnisse dahinter schnurstracks und mit Leichtigkeit zu nähren? Bestimmt nicht. Also lasst uns reden!


Wenn ich als Kind gesagt habe, dass mir meine Hand weh tut, bekam ich die Antwort: “Abhacken!” Wenn ich gesagt habe, der Bauch tut mir weh, hieß es: “Das ist psychosomatisch.” Was habe ich daraus gelernt? Mein Befinden stört, überfordert, ist ein schmerzlicher Witz oder es ist nur Einbildung. Meine Wahrnehmung ist für den Misthaufen! Ein Nährboden für verstecktes Leid. Obwohl es beachtlich ist, dass in der damaligen Zeit eine andere Ebene als die körperliche angesprochen wurde, war die Ignoranz eben dieser – scheiße für mich und meine Entwicklung.


Psycho-Irgendwas ist also was mit Klapse oder gilt es zu ignorieren. Kennst Du das? Warum gibt es dann so viele unterschiedliche Professionen und Therapiemethoden? Genau, weil der Mensch nicht nur aus fassbaren, abgrenzbaren Zellen besteht, sondern auch aus Botenstoffen, Impulsen, seinem Verhalten und einem Haufen unbekannter Dynamiken zwischen den Ebenen von Psyche und Körper. Dabei gibt es so viele individuelle Ausformungen, wie es Blätter an einem Baum gibt. Und deshalb braucht es einen individuellen Rahmen, der jedem und jeder Einzelnen gerecht wird.


Hier mal die Hard Facts:

Psychotherapeut*innen haben sich für ihre Ausbildung eine Therapierichtung gewählt. Die lassen sich in Orientierungen einteilen in eine:


  1. Tiefenpsychologischpsychodynamische

  2. eine Humanistisch‐existenzielle Orientierung

  3. eine Systemische Orientierung und

  4. eine Verhaltenstherapeutische

innerhalb dieser Orientierungen gibt es allerdings eigen Richtungen, wie zum Beispiel die Psychoanalytische Psychotherapie, Hypnosetherapie oder Zungenbrecher wie die Katathym Imaginative Psychotherapie. Es gibt noch einen Haufen weitere, die der ersten Orientierung zugeschrieben werden. Personenzentrierte und auch Psychodrama, eine ganz lebendige Richtung, wird neben anderen der Humanistisch-existenziellen Orientierung zuteilt. Die beiden letzten Orientierungen haben noch nicht so viele Ausformungen.


Das ist ein großes Kauderwelsch, aus dem sich die jeweilige Haltung und Methodik der Psychotherapierichtung ableitet. Manche sind einem auf anhieb sympathisch, andere nicht. Und dann gilt es noch zu beachten, dass es zahlreiche weitere Methoden gibt, die entwickelt wurden, in denen die eine oder der andere Therapeut*in sich weiter gebildet hat. Außerdem ist der Zugang zu diesen Ausbildungen in den meisten Ländern der Erde total unterschiedlich. In manchen Ländern dürfen zum Beispiel nur Psycholog*innen oder Psychiater*innen diese Ausbildung machen. Bei uns gibt es in einer Therapiesitzung aber kein Rezept.