#12 Fremdschuld anerkennen

ein Kontrollverlust


Warum habe ich wohl den Teil mit der Fremdschuld hinausgeschoben und mir bis zum Schluss dieser Gefühlsreihe aufgehoben? Der Titel verrät es schon. Wenn ich jemand anderem Schuld zuweise und die Verantwortung für das Geschehen damit abgebe, dann verliere ich einen großen Teil Kontrolle.


Bin ich ein unsympathischer Kontrollfreak? Und warum mache ich mich zur wandelnden Selbstgeißlerin, nur damit ich niemand anderem Schuld zuweisen muss?


Nun gibt es ja Menschen, die das genau umgekehrt machen. Sofort Schuld bei anderen zu suchen, wann immer etwas Unangenehmes oder Tragisches passiert ist. Dazu gehöre ich nicht. Erst in langen Jahren der Psychotherapie habe ich mich dem Gedanken angenähert, dass ich nicht so viel Verantwortung trage, wie ich mir automatisch zuschreibe. Erst in der Ermutigung Ärger zuzulassen und mit der Betrachtung des Geschehenen aus verschiedenen Perspektiven, ist mir ein Licht aufgegangen.


Leicht ist es trotzdem nicht, denn mein Körper wehrt sich noch gegen diese neue Form der Realität. Mein Körper findet es wohl noch immer nicht ganz SICHER – nicht alle Verantwortung festzuhalten. Und das ist ok. Ich bin ok.


Den Begriff Kontrolle verwende ich übrigens im Sinne der menschlichen Bedürfnisse, die wir alle gemeinsam haben und die alle gleich schwer wiegen. Da kann ich noch so viele MINDSET-Strategien entwerfen. Darauf bin ich angewiesen.


  1. Bindung & Beziehung

  2. Autonomie & Selbstwert

  3. Lust- & Unlustvermeidung und

  4. Orientierung & Kontrolle


Die psychischen Grundbedürfnisse, in die sich alle anderen Ausdrücke einordnen lassen. Die Zutaten eines erfüllten Lebens in Freiheit, Verbundenheit, Ganzheit und Sinn. Die großen Säulen eines menschlichen Lebens, die, falls sie angeknackst oder gar nicht aufgebaut sind, unsere Gefühle anfeuern, um auf sich aufmerksam zu machen. Damit wir wissen wo es lang geht.


Ja, das lässt sich so einfach ausdrücken! Verstrickungen, Überlebensregeln aus der Kindheit, Glaubenssätze und die gute alte Amygdala, die mächtig und in Sekundenbruchteilen auf Kampf, Flucht, Starre oder Ergebenheit – in unserem Gehirn umschalten kann – sind da schon wesentlich komplexer. Es ist nämlich vollkommen gleich, was ich weiter vorne im großen Denkapparat begriffen habe. Die Amygdala, dieser Kern lernt nur durch die Gefühlsarbeit. Und da machen wir heute weiter im Podcast mit einer Selbstmitgefühlsübung.


Und wenn Du große Angst verspürst, es Dir den Boden unter den Füßen wegzieht, bei einer Entspannungsübung, beim Meditieren, beim Alleinsein oder einer anderen Form des Kontrollverlustes/Orientierungslosigkeit, dann bitte lasse die folgende Übung noch aus – und gehe den therapeutisch begleiteten Weg in einer Psychotherapie – bis Du soweit bist. Wir alle können dorthin kommen. An den Säulen unserer Bedürfnisse können wir noch im hohen Alter bauen.


Falls Du diese Übung zum Anhören in der Podcastfolge als Last empfindest, dann bist Du noch nicht bereit zu vergeben. Das ist OK.




In den 5 Stufen der Vergebung musst Du wirklich nicht

alle schnellstmöglich abhaken! Lass Dir Zeit.